Lehre & Forschung

Projekte

Abgeschlossene Projekte

Hans-Bernd Schäfer und Ram Singh (Delhi School of Economics) (2018), Takings of Land by Self-Interested Governments, Economic Analysis of Eminent Domain Law, Journal of Law and Economics, Vol. 61, 427-458

Das Programm förderte zwei insgesamt fünfwöchige Besuche des Ökonomen Ram Singh von der Delhi School of Economics. Dies ermöglichte eine gemeinsame Studie zu den ökonomischen Wirkungen der Entschädigungshöhe im Enteignungsrecht. Die Studie befürwortet bei Enteignungen eine Entschädigung, die unterhalb eines zivilrechtlichen Schadensersatzes liegt. Dadurch werden verstärkt Anreize bei den Betroffenen gesetzt, sich gegen Enteignungsmaßnahmen zu wehren und es wird eine größere gerichtliche Kontrolldichte für solche Maßnahmen herbeigeführt. Ein voller Schadensersatz reicht dafür nicht aus, weil dieser die Anreize für Staatsorgane, rechtswidrige Enteignungen durchzuführen, kaum vermindern kann, wohl aber Anreize beseitigt, sich dagegen rechtlich zu wehren.

Cornelius Kniepert, LL.B. und Axel Moeller (Universität Oxford), Der einfache Befunderhebungsfehler – Kann die Rechtsprechung das Befunderhebungsverhalten von Ärzten steuern? MedR 2019, 34 ff.

Die Förderung ermöglichte Herrn Kniepert eine empirische Studie zusammen mit einem Ökonometriker. Die Doktorarbeit von Cornelius Kniepert behandelt das Arzthaftungsrecht. Die Rechtsprechung zum Befunderhebungsfehler stellt seit 1987 ein zusätzliches Haftungsrisiko für Ärzte dar und vermittelt Anreize, zusätzliche Befunderhebungen durchzuführen, um dadurch das Haftungsrisiko zu senken. Es ergab sich daher die Frage, ob dies nachweisbar ist. Die Studie mit Daten von 1982 bis 2016 gelangt zum Ergebnis, dass ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der Verschärfung der Arzthaftung und dem Diagnoseaufwand im stationären Bereich nicht besteht. Dies ist ein unerwartetes und auch deshalb ein interessantes Ergebnis.

Florian Faust und Hans-Bernd Schäfer, Hrsg. (2019), Zivilrechtliche und rechtsökonomische Probleme des Internet und der künstlichen Intelligenz, 15. Travemünder Symposium zur ökonomischen Analyse des Rechts, Mohr Siebeck, 339 S.

Die Förderung diente der Durchführung eines dreitägigen Symposiums zur ökonomischen Analyse des Rechts in Travemünde im März 2018, an dem Juristen und Ökonomen beteiligt waren, um vertrag- delikts- und eigentumsrechtliche Probleme des Internet und der künstlichen Intelligenz aus Sicht ihrer Disziplinen zu diskutieren.  Erfordert die rasche technologische Entwicklung, die mit vielfältigen neuartigen Problemen der zivilrechtlichen Haftung, der Vertragsgestaltung und des Schutzes von Daten einhergeht, auch ganz neue rechtliche Antworten des Zivilrechts? Oder ist dieses flexibel genug, sich den neuen Herausforderungen ohne radikale Innovationen zu stellen? Die veröffentlichten Referate und Korreferate von Juristen und Ökonomen behandeln aus einer interdisziplinären und rechtsökonomischen Perspektive zivilrechtliche Fragen, die sich aus diesen technologischen Entwicklungen ergeben.

Anika Klafki wurde die Teilnahme an einem rechtsvergleichenden internationalen Symposium in Japan im Jahr 2018 ermöglicht. Ihr mit Harald Pünder verfasstes Referat ist fertiggestellt und im Druck: "Solving Conflicts through Administrative Procedure", in Katharina Boele-Woelki / Diego P. Fernández Arroyo (eds.), Ius Comparatum – Global Studies in Comparative Law, Springer 2019. Die Arbeit behandelt Fragen der Bürgerbeteiligung bei administrativen Entscheidungen in rechtsvergleichender Perspektive, hier dargestellt an einer Fallstudie der Planung eines Großflughafen

"Klinische Forschung an einwilligungsunfähigen Patienten/Probanden- Medizin, Ethik und Recht im Widerstreit von Forschungsnotwendigkeit und Probandenschutz"

Die vom Programm unterstützte Tagung des Instituts für Medizinrecht am 15. November 2017, veranstaltet von Jens Prütting, brachte Fachleute unterschiedlicher Disziplinen zusammen. Diese referierten und diskutierten im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung für Fachleute über Themen wie medizinische Studien bei Intensivpatienten und bei Patienten mit Schlaganfällen, über rechtliche und ethische Aspekte der Einwilligung in die Arzneimittelforschung und im allgemeinen über das Spannungsverhältnis zwischen Probandenschutz und Forschungsinteresse bei einwilligungsunfähigen Patienten.

Laufende bzw. bereits genehmigte Projekte

Dieser jährlich stattfindende internationale Workshop wurde am 15. und 16. Juni 2018 von Alexander Wulf (ehemaliger Doktorand der Bucerius Law School), Prof. Giovanni Ramello (Universität Turin) und Hans-Bernd Schäfer veranstaltet. Teilnehmer wurden auf der Basis eines "Call for Papers" ausgewählt. Eine Auswahl der vorgetragenen Referate wird in einer Sondernummer der Zeitschrift "European Journal of Law and Economics" (Springer Verlag) veröffentlicht.

Professor Avishalom Tor

Professor Avishalom Tor von der Notre Dame University ist Distinguished Visiting Research Professor 2018 an der Bucerius Law School. Er ist Rechtswissenschaftler und Psychologe und ein herausragender Forscher im Bereich der Verhaltenswissenschaft sowie ihrer Verwendung für rechtswissenschaftliche Fragestellungen, insbesondere im Gesellschaftsrecht und Wettbewerbsrecht.

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Visiting Research Professor 2019

Professor Daniel Katz (Illinois)

Professor Daniel Katz

Die Absolventen der Bucerius Law School Janis Beckedorf, Corinna Coupette und Dirk Hartung werden unter Anleitung von Professor Daniel Katz ein gemeinsames Forschungsprojekt durchführen. Dafür wird ein zweimonatiger Aufenthalt von Katz in Hamburg ermöglicht. Katz ist Inhaber eines rechtswissenschaftlichen Lehrstuhls an der Universität Illinois und führender Vertreter mathematischer und empirischer Methoden für rechtswissenschaftliche Komplexitätsanalysen, die zunehmend auch innerhalb der Rechtswissenschaft und der Rechtsvergleichung verwendet werden. Das Projekt soll drei konkrete Beiträge leisten: einen zur Rechtstheorie und zur Rechtsvergleichung, einen zur rechtlichen Methodik und einen zur rechtlichen Praxis. Beispielhaft soll ermittelt werden, wie diese Methode anwendbar ist, um strukturelle und funktionale Unterschiede von Rechtssystemen besser zu erkennen, um die Entwicklung eines Rechtssystems im Zeitablauf besser zu verstehen, und um Rechtspraktikern methodische Instrumente für konzisere und kohärentere Gesetzesvorlagen zur Verfügung zu stellen. Geplant ist eine gemeinsame Veröffentlichung in englischer Sprache.

Visiting Research Professor 2019

Professor Shuba Ghosh (Syracuse)

Professor Shuba Ghosh

Dana Beldiman, Direktorin unseres IP-Centers wird mit Professor Shuba Ghosh ein empirisches Projekt über die Auswirkungen der Normen des gewerblichen Rechtsschutzes auf die Organisation von Unternehmungen durchführen. Ghosh, der für drei Monate an der Bucerius Law School tätig sein wird, ist durch seine rechtsökonomischen Schriften zum gewerblichen Rechtsschutz ein international bekannter Rechtswissenschaftler. Das gemeinsame Projekt hat drei Dimensionen. Die erste ist theoretisch und fasst jene Forschungsergebnisse zusammen, die den Zusammenhang zwischen Schutzrechten und Innovationen untersucht haben. Die zweite bezieht sich auf die Rolle von Juristen innerhalb von Unternehmungen, die die Nutzung und Verwertung von Innovationen rechtlich gestalten. Diese ist bisher wenig analysiert worden hat aber große Wirkungen nicht nur darauf, wie Verträge gestaltet, sondern auch wie Unternehmungen organisiert werden. Die dritte Dimension enthält die geplante empirische Studie. Sie soll durch Befragungen von praktizierenden Anwälten in Deutschland herausfinden, wie Schutzrechte die tatsächlichen Austausch- und Organisationsverträge in der Praxis beeinflussen. Die Studie greift methodisch auf Vorarbeiten in der Literatur, auch solche von Ghosh zurück. Die Ergebnisse sollen in einer Fachzeitschrift publiziert werden.

Bevorstehende Veranstaltungen

Die von den Professoren Axel Kämmerer und Hans-Bernd Schäfer veranstaltete Tagung einer internationalen Gruppe von Rechtswissenschaftlern und Rechtsökonomen wird sich mit den Auswirkungen des Brexit auf das Recht innerhalb der EU, auf die Rechtsbeziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich sowie auf internationale Rechtsbeziehungen befassen. Die Themen behandeln die Austrittsverhandlungen aus spieltheoretischer Perspektive, die Rolle von Referenden und Volksbefragungen, die Auswirkungen des Brexit auf die Personenfreizügigkeit, künftige Möglichkeiten der Niederlassungsfreiheit zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich, Auswirkungen auf die Regulierung der Finanzmärkte, die Rolle der Gerichte, Fragen der freien Rechtswahl nach dem Brexit und die Möglichkeiten der Streitbeilegung zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich im Rahmen der Welthandelsorganisation. Die Referate sollen entweder in einem Sammelband oder in der Sondernummer einer Zeitschrift veröffentlicht werden.

Vertreter der ökonomischen Analyse des Rechts argumentieren oft, dass mittels wirtschaftswissenschaftlicher Methoden Gerichtsentscheidungen vorhersagt und der Gesetzgeber normativ geleitet werden könne. Viele von ihnen sehen philosophische Theorien des Privatrechts, die auf Autonomie, ausgleichender Gerechtigkeit und anderen moralischen Prinzipien beruhen als zu unbestimmt an. Diese Auffassung ändert sich. Zudem wird zunehmend innerhalb dieser Forschungsrichtung erkannt, dass Recht nicht nur die Aufgabe hat, Anreize zu vermitteln und sich somit nur an Menschen wendet, die andernfalls asozial handeln. Wo steht diese Debatte über die Rolle von Wirtschaftswissenschaft und Philosophie in der Privatrechtswissenschaft heute und wohin soll sie führen? Das ist die zentrale Frage eines internationalen Workshops an der Bucerius Law School in Hamburg, den die Professoren Peter Cserne (Universität Hull) und Hans-Bernd Schäfer (Bucerius Law School) am 5. – 6. Juli in der Bucerius Law School veranstalten.

Ein "call for papers" hat 48 Einsendungen aus vielen Ländern Europas und darüber hinaus erbracht, von denen eine Auswahl auf der Tagung vorgetragen wird.  Ein Sammelband soll veröffentlicht werden, voraussichtlich beim Verlag Kluwer.

Professor Dr. Thilo Kuntz, LL.M wird im September 2019 eine gemeinsame Tagung der Bucerius Law School und des Centers on Globalization, Law and Society (GLAS) der University of California Irvine, School of Law veranstalten. "Transnational Fiduciary Law" ist ein viel diskutiertes Forschungsgebiet sowohl der Rechtswissenschaft als auch in Nachbardisziplinen. Seine transnationale Dimension ist aber bisher unentwickelt. Das Symposium wird führende Wissenschaftler sowohl aus civil law Ländern als aus common law Ländern zusammenbringen. Eine Veröffentlichung der Tagungsbeiträge ist bei Cambridge University Press geplant.

Hans-Bernd Schäfer wird zusammen mit zusammen mit Steve Lee (Emory University) dem Direktor des "Institute of Law and Development" im September 2020 ein Symposium zu diesem Thema an der Bucerius Law School veranstalten. Es handelt sich um eine jährlich stattfindende Konferenz, an der Juristen, Ökonomen und Politikwissenschaftler aus vielen Ländern teilnehmen. Erstmalig wird sich die Konferenz mit Problemen in hochentwickelten Staaten befassen. Geänderte wirtschaftliche Bedingungen wie die zunehmenden Einkommensunterschiede zwischen den Bürgern und Regionen in den Industrieländern, das stagnierende Wirtschaftswachstum in mehreren Ländern, wirtschaftliche Polarisierung sowie Schwächen des Rechtssystems, darauf angemessen zu reagieren, können Gegenstand dieser Tagung sein. Der Teilnehmerkreis ergibt sich aus einem "Call for Papers". Außerdem werden mehrere Referenten eingeladen. Eine Auswahl der vorgetragenen Referate wird wie bereits bei vorhergehenden Tagungen in einer Sonderausgabe der Zeitschrift "Law and Development Review" im Verlag de Gruyter erscheinen.